Der Deutsche Psychologie Preis 2013

Prof. Dr. Anke Ehlers
Auszeichnung für herausragende Leistungen in der psychologischen Forschung

Der Preis
Der Deutsche Psychologie Preis prämiert herausragende Leistungen in der psychologischen Forschung, die sich durch hohe praktische Bedeutung auszeichnen. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Lei stungen von hoher Qualität und Originalität, die relevant sind für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen.

Der Deutsche Psychologie Preis wurde von 1992 bis 2008 vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie (CDS) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) jährlich vergeben.
Im Jahr 2010 kam die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) als vierte Organisation zum Kreis der Träger hinzu. Seit 2011 ist der Deutsche Psychologie Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen.

Die Jury
Die Jury für den Deutschen Psychologie Preis besteht mit den Präsidenten/innen bzw. dem Vorstand der vier auslobenden Organisationen aus mindestens vier Personen. Hinzu kommen weitere Multiplikatoren aus Wissenschaft, Medien und Kultur, die jeweils für vier Jahre berufen werden.


Die Träger

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP)
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. vertritt die beruflichen Interessen der niedergelassenen, selbständigen, angestellten und beamteten Psychologen und Psychologinnen aus allen Tätigkeitsbereichen. Dies sind u.a.: Gesundheitspsychologie, Klinische Psychologie, Psychotherapie, Schulpsychologie, Rechtspsychologie, Verkehrs psychologie, Wirtschaftspsychologie, Umweltpsychologie, Politische Psychologie. Als der anerkannte Berufs- und Fachverband der Psychologinnen und Psychologen ist der BDP Ansprechpartner und Informant für Politik, Medien und Öffentlichkeit in allen Fragen der  beruflichen Anwendung von Psychologie und Psychotherapie. Der BDP wurde am 5. Juni 1946 in Hamburg von 21 „Berufspsychologen“ gegründet. Heute gehören dem Verband 11.500 Mitglieder in 13 Landesgruppen und 11 Sektionen an.

Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
Die Bundespsychotherapeutenkammer ist die politische und berufsständische Vertretung der rund 37.700 Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deutschland. Sie wurde 2003 als Arbeitsgemeinschaft der Landespsychotherapeutenkammern gegründet. Sie setzt sich für die Interessen der Psychotherapeutenschaft auf der Bundesebene und international, insbesondere in der Europäischen Union ein. Die BPtK vertritt sowohl niedergelassene als auch angestellte Psychotherapeuten. Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen arbeiten in eigener Praxis, in Krankenhäusern sowie in der Rehabilitation, in psychosozialen Beratungsstellen und Einrichtungen der Jugendhilfe. Allein im ambulanten Bereich führen sie im Jahr rund eine Million genehmigungspflichtige Psychotherapien als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung durch. Zwei Drittel der Kammermitglieder sind Frauen, ein Drittel Männer.

Christoph Dornier Stiftung (CDS)
Die 1989 von Christoph Dornier, dem jüngsten Sohn des Flugpioniers Claude Dornier, gegründete Stiftung mit Sitz an der Universität Marburg ist Deutschlands größte Wissenschaftsstiftung für Psychologie. Sie betreibt an mehreren deutschen Universitäten (derzeit: Bielefeld, Bremen, Köln, Münster und Tübingen) sowie in Halle (Saale) und Nijmegen (NL) eigene Forschungs- und Behandlungseinrichtungen für Psychotherapie. Zu ihren Aufgaben gehört die Bereitstellung von Forschungsarbeitsplätzen für Doktoranden, die Durchführung von Grundlagen- und Psychotherapieforschung und die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich psychischer Gesundheit und Prävention. Die staatlich geregelte Ausbildung zum Psychotherapeuten wird durch Beteiligungen an verschiedenen Ausbildungsinstituten unterstützt. Seit 1992 wird der auf Initiative der Stiftung etablierte Deutsche Psychologie Preis gemeinsam mit unseren Partnern vergeben.

Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. ist die Vereinigung der in Forschung und Lehre arbeitenden Psychologinnen und Psychologen, ein rechtsfähiger, gemeinnütziger Verein. Dieser geht zurück auf die 1904 gegründete „Gesellschaft für experimentelle Psychologie“. 1929 wurde der Name der Gesellschaft in die heutige Bezeichnung umgewandelt. Mit rund 3.000 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt die DGPs sich für eine Förderung der Psychologie als Wissenschaft ein. Dazu gehören u. a. die Bündelung und Verbreitung psychologischer Erkenntnisse, Empfehlungen zur Verbesserung der Lehre, eine enge Zusammen arbeit mit anderen Disziplinen und anderen Ländern, eine kluge Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs und weitreichende Information einer interessierten Öffentlichkeit. Alle zwei Jahre veranstaltet die DGPs ihren großen Fachkongress und verleiht Preise und Ehrungen für herausragende wissenschaftliche Leistungen und Verdienste für die Psychologie. In den Jahren dazwischen finden die Tagungen der Fachgruppen statt.



Die Preisträgerin 2013
Prof. Dr. Anke Ehlers

Für ihre exzellenten Forschungsarbeiten zur Entstehung und Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) wird Prof. Dr. Anke Ehlers, Professorin für experimentelle Psychopathologie an der Universität Oxford, mit dem Deutschen Psychologie Preis 2013 geehrt.

Anke Ehlers erforscht seit Langem Entstehungsbedingungen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten psychischer Traumata. Mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten hat sie Antworten gefunden auf die Fragen: Wer erkrankt nach einem traumatischen Erlebnis an einer PTBS und wer nicht? Was passiert im Gedächtnis eines traumatisierten Menschen, dass der erlebte Schrecken immer wieder mit solch einer zerstörerischen Wucht zurückkehrt? Wie kann ein Psychotherapeut am wirksamsten helfen, damit die traumatisierenden Ereignisse verarbeitet werden können?

Ihre wissenschaftlichen Wurzeln liegen in Deutschland, 1989 erschien hier ihr Buch „Posttraumatische Belastungsstörungen“. Danach folgten zahlreiche international beachtete Publikationen zu Grundlagen, Diagnostik und Behandlung von PTBS. Die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsbezug schlägt Frau Ehlers auch in ihrer eigenen klinischen Praxis. Nach den Terroranschlägen in London im Jahr 2005 gehörte sie zu den Experten, die in ihrem Therapiezentrum überlebende Anschlagsopfer erfolgreich behandelte.

Anke Ehlers gehört zu den renommiertesten Wissenschaftlern auf dem Gebiet psychischer Traumatisierungen. Seit 2005 ist sie Mitglied der Leopoldina, seit 2010 Mitglied der Academia Europaea, der europäischen Akademie der Wissenschaften.


Der Preisträger 2011
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, war Preisträger des Deutschen Psychologie Preises 2011. Damit wurden seine herausragenden Leistungen auf den Gebieten der Entscheidungs- und Risikoforschung gewürdigt.

Gerd Gigerenzer untersucht, wie Menschen in der Realität Entscheidungen treffen und wie sie mit Risiken umgehen. Ihm gelingt es in ganz besonderer Weise, seine qualitativ herausragenden Forschungsergebnisse zur Entscheidungsfindung und zum Umgang mit Risiken, die von hoher gesellschaftlicher Bedeutung sind, einem breiteren Publikum nahezubringen. Diese effektive öffentliche Darstellung beschränkt sich nicht allein auf Informationsvermittlung: Manager, Richter und Ärzte haben an seinen Weiterbildungen in der Kunst des Entscheidens und im Umgang mit Risiken und Unsicherheiten teilgenommen.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Prof. Gigerenzer zahlreiche Auszeichnungen. So war er unter anderem Preisträger der American Association for the Advancement of Science (AAAS) für den besten Zeitschriftenaufsatz in den Verhaltenswissenschaften. Seine Bücher haben eine Reihe bedeutender Preise erhalten und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Im Jahre 2002 wurde „Einmaleins der Skepsis“ zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt. „The Probabilistic Revolution“ wurde 1987 von der Gesellschaft amerikanischer Verleger als bestes Buch der Sozial und Verhaltenswissenschaften ausgezeichnet. Sein im Jahr 2007 veröffentlichtes Buch „Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“ avancierte zum Bestseller und wurde mit dem Wirtschafts- und dem Wissenschaftsbuchpreis prämiert.


Frühere Preisträger 2008 - 1992

2008: PROF. DR. KURT HAHLWEG
Prävention, Psychodiagnostik und Psychotherapie bei Schizophrenie, Partnerschafts- und Familienproblemen

2007: PROF. DR. RALF SCHWARZER
Selbstwirksamkeit, Stress und Angst in Prävention, Beratung, Therapie und Rehabilitation

2006: PROF. DR. FRIEDRICH LÖSEL
Risiken und Schutzfaktoren in der kindlichen Entwicklung mit Schwerpunkt Prävention von Aggression und Kriminalität

2005: PROF. DR. MANFRED DÖPFNER
Wissenschaftlich basierte Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen sowie praktisch überprüfte Behandlungsprogramme

2004: PROF. DR. ALEXANDER THOMAS
Grundlagen- und anwendungsorientierte interkulturelle Psychologie im Kontext einer zunehmenden Globalisierung

2003: PD DR. DORIS BISCHOF-KÖHLER UND PROF. DR. NORBERT BISCHOF
Verbindung verschiedener methodischer Zugänge und die kritische Reflexion der Wissenschaft Psychologie

2002: PROF. DR. HERTA FLOR
Psychische Faktoren bei Schmerzsyndromen und die Wirksamkeit psychologischer Behandlungsverfahren bei chronischen Schmerzen

2001: PROF. DR. AMÉLIE MUMMENDEY
Intergruppenkonflikte mit Schwerpunkt auf Aggression, Ost-West-Integration sowie Diskriminierung und Toleranz

2000: PROF. DR. KLAUS FIEDLER UND PROF. DR. MAX STELLER
Grundlagen und Anwendung der Forensischen Psychologie und ihre Nutzung in Strafverfahren 1992 – 2008

1999: PROF. DR. DIRK HELLHAMMER
Psychoendokrinologie und ihre Umsetzung in neue Arbeitsfelder für Psychologen im  medizinischen Bereich

1998: PROF. DR. DIETER FREY
Experimentelle Untersuchungen und Feldforschung in der Gesundheits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie

1997: PROF. DR. DIETER VAITL
Klinisch relevante psychophysiologische Forschung und ihre Einbettung in die Weiterbildung von Psychologinnen und Psychologen

1996: PROF. DR. WINFRIED HACKER
Wirkungen der Grundlagentheorie auf die Praxis der Arbeitspsychologie und Integration der Psychologie in die Nachbardisziplinen

1995: PROF. DR. NIELS BIRBAUMER
Psychologische Behandlungsverfahren bei Menschen mit chronischen Schmerzen oder Epilepsie mit fächerübergreifender Grundlagenforschung

1994: PROF. DR. PAUL B. BALTES
Entwicklungspsychologie der Lebensspanne und der psychologischen Gerontologie mit Impulsen für die Entwicklungsperspektive in anderen Forschungsbereichen

1993: PROF. DR. LUTZ VON ROSENSTIEL
Organisations- und Wirtschaftspsychologie mit Publikationen von hoher praktischer Relevanz und großem Nutzen auch für Nicht-Fachleute

1992: PROF. DR. DIETMAR SCHULTE
Kontinuierliche Verbesserung der Erfolgsquote von Psychotherapien und Nutzung der Befunde für die psychotherapeutische Qualifizierung

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